König Volk
Wir haben Karl in dem Augenblick verlassen, als er mit der Nachricht vom Tode Kaiser Joseph's aus Wien eilte. Mit dem Kaiser war in unserm Helden die Hoffnung gestorben, daß vom Principe der alten Welt aus, durch die gottgegebene Macht der Kronen die Menschheit der staatlichen und sittlichen Verjüngung zugeführt werden könne, welche sie bedurfte. Aber nicht in seiner Brust allein lebte diese Überzeugung; sie hatte die denkenden Köpfe der ganzen Zeit erfaßt und in Frankreich war sie zu der nothwendigen Schlußfolgerung vorgeschritten: es hat also das Volk selber jene Verjüngung vorzunehmen. Das Volk in Frankreich war in voller Thätigkeit. In Karl lebte zu sehr der Durst nach dem Idealen, der jungen Seelen eigen ist, zu sehr das Rechtsgefühl, das in jener Zeit sich empört fühlen mußte durch die Despotie der von der Willkür Privilegirten über die nicht Privilegirten, durch den tiefen Hohn, welchen das geschichtlich Gewordene gegen das Vernünftige enthielt, als daß er nicht mit ganzer Seele an jener Thätigkeit des Volkes Theil genommen hätte. Das eine der zwei großen Lager, in welche die Welt sich zu theilen begann, hatte ihn in seinen schönsten Hoffnungen getäuscht. Er trug sein Herz in das andere. Nachdem er seinen Auftrag ausgerichtet, war er zurückgekehrt und hatte sich von Wien und von seinem Oheim, dem diplomatischen Freiherrn, losgemacht. Von diesem hatte er vernommen, daß