Erstes Kapitel
Die Zeit der Begebenheiten, welche wir dem geneigten Leser auf diesen Blättern zu erzählen uns anschicken, ist von den gewaltsamsten Leidenschaften durchtobt und von Handlungen bezeichnet worden, die eine schlummernde Welt zu Schrecken und Entsetzen wach gerufen haben. Aber nichts kann an Ruhe und Frieden dem stillen ländlichen Bilde gleich kommen, das sich dem Auge darstellt, indem wir den Vorhang vor der ersten Scene unsers Dramas in die Höhe wallen lassen. Auf einer grünen Rasenfläche sehen wir im Vordergrunde rechts eine Linde sich erheben, einen jener ungeheuern und prachtvollen Bäume, die in sich allein ein ganzes Waldleben zu hegen scheinen und von der üppigen, ewig treibenden Kraft der Natur strotzen, welche immer aufs Neue grüne Zweige im Lenzwinde schaukelt, während das Beste, was in uns erblüht, mit den Jahren ergilbt, absinkt und schwindet, ohne neu aufzugrünen oder zu erstehen. In den Blättern der Linde spielen die Sonnenstrahlen mit dem Flüstern der Abendluft, und ein dichter Schwarm von Mücken steigt wie ein elastischer Ball auf und nieder, rastlos, immer gedrängt, immer so laut und lustig summend, als ob die bösen Schwalben, die oben durch die Zweige schießen, gar nicht in der Welt wären. Hinter dem großen Baume befindet sich ein mit Sandsteinquadern eingefaßter breiter Graben voll Schilf und Wasserlinsen, zur Linken von einem schweren und massiven Bogen