Chapter

Ein seltsamer Patient

Professor Gelbhaar, dirigierender Arzt des Sanatoriums Hörbersdorf, hatte den etwa fünfunddreißigjährigen, sehr nervösen Herrn, der vor ihm saß, gründlich untersucht. »Ich kann Ihnen zu meiner Freude sagen, daß durchaus nichts Bedenkliches vorliegt. Wie ich aus dem Röntgenbild sehe, sind Ihre Lungen völlig intakt. Auch die Schmerzen im Kniegelenk, die Ihnen Sorge bereiten, sind anscheinend rein nervös. Es sind durchaus keine Tuberkeln in Ihrem Blute gefunden worden.« Seltsamerweise machte der Patient keinen frohen Eindruck. »So wird eben meine Krankheit auch hier nicht erkannt.« »Sie scheinen mir Hypochonder zu sein, Mister Wilson.« Dieser schüttelte den Kopf. »Durchaus nicht! Ich weiß, daß ich in der Nacht fiebere, ich werde den leisen, anstoßenden Husten nicht los, diese Schmerzen im Knie – mein Großvater ist an Tuberkulose gestorben. Nein, ich bin kein Feigling, aber – ich stehe im Begriff, zu heiraten, eine Familie zu gründen, kann aber die Verantwortung nicht auf mich nehmen, etwa Nachkommen zu bekommen, die unsere Familienkrankheit erben.« Fräulein Dr. Ethel Schröder, eine junge Deutschamerikanerin, die als Assistentin der Untersuchung beigewohnt hatte, mischte sich ein. Es war klar, daß der junge Mann ihr leid tat. »Wenn es der Herr wünscht, können wir ja noch eine zweite Röntgenaufnahme machen.« »Ich bitte wirklich darum. Sehen Sie, Herr Professor, wenn ich in Ihrer

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