Chapter

Erstes Kapitel

Ein Knabe im Engelskleid, das heißt halbnackt im durchsichtigen Hemdchen, zwei weiße Taubenflügel an den Schultern angeheftet, im Sonnenschein eines südlichen Junitags in der äußersten Ecke der Provence, da, wo sie an Italien angrenzt. In Begleitung von drei andern Kindern in gleichem Aufputz schritt er in einer Fronleichnamsprozession dahin. Die drei andern »Engel« waren blond und gingen mit gesenkten Blicken einher, als ob sie vom Ernst ihrer Engelswürde durchdrungen wären, der kleine Jean jedoch mit seinem dunkelbraunen Krauskopf, der hübscheste und kräftigste von ihnen, sah die am Weg Niederknieenden mit drolliger Verwunderung an, war nichts weniger als andächtig, sondern schien sehr zur Lustigkeit aufgelegt. Er war ein derbes, kerngesundes Bürschchen mit regelmäßigen Zügen, einem warmen Hautton, der an einen reifen Apfel erinnerte, und dichten Brauen, die wie ein schwarzes Samtbändchen die weiße Stirn durchquerten. Sein offener, fröhlicher Blick war fast noch kindlicher, als es seinen sechs oder sieben Jahren zukam, und daß diese großen Augen unter den langen Wimpern leuchtend blau waren, war bei seinem fast arabischen Gesichtsschnitt verwunderlich. Seine Angehörigen, die Mutter, die noch Witwentrauer trug, den langen Kreppschleier indes abgelegt hatte, und ein ehrsamer alter Großpapa in altväterischem schwarzem Rock und weißer Halsbinde folgten ihm in einiger Entfernung

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