Ein Poet?
Ein Poet? Es war zu Mitte Februar, und es ging auf Mitternacht. In den stolzen Zeitungspalast nah der Wiener Ringstraße war endlich für kurze Weile ein Schweigen eingekehrt. Das rastlose Leben verstummte, das ihn sonst stoßweise doch heftig bewegt. Aus den Fenstern des zweiten Stockwerkes, in dem sich die Redaktion befindet, brach noch ein einsames Lampenlicht in die Nebel und auf die öde Straße. Auch das erlosch. Die elektrischen Bogenlampen über der Einfahrt gossen ihr weißes, fast schrilles Licht über ein harrendes Zweigespann aus. Auf dem Bocke saß der Kutscher mit nickendem Kopfe und bis zur Unkenntlichkeit eingemummelt, um sich vor dem rastlosen Winde zu schützen, der taumelnd und irre über der Großstadt dahinfuhr. Das Haustor stand offen, aber nur selten huschte jemand hinein oder trat daraus. Wer dieses mußte, der verhielt ein Weilchen schaudernd und kurzatmig, eh' er in die Winternacht mit ihrem wehenden, formlosen und frostigen Brodem sich wagte. Wenige Schritte, und ihn hatte das Dunkel verschlungen. In der Nachtredaktion selbst brannten noch alle Lampen. Eben war der Metteur mit einem Stück Manuskript fortgegangen; nun stand das Blatt, und die Maschinen feierten, der letzten Nachrichten gewärtig, die ein spätes Telegramm oder ein säumiger Bote noch bringen konnten. In dem ziemlich großen Raume roch es muffig: nach Firniß, nach Öl und nach Druckerschwärze. Nur noch