Erstes Kapitel
Die großen Deckenlichter erloschen, die Wandarmleuchter schwanden in Finsternis, und mit leisem Surren richtete die Scheinwerfermaschine zartgrüne und goldige Lichtbreiten auf die umfangreiche Bühne, deren Kulisse eine Art Traumlandschaft darstellte. Man sah, offenbar durch Spiegelung hervorgerufen, in der Tiefe der Auen die Elfen tanzen zu einer zarten, sehnsuchtsvollen Melodie, die aus der versenkten Kapelle tönte. Und auf einmal, von einem starken, silbernen Licht empfangen, glitt eine Gestalt auf die Bühne, ein herrlich gewachsenes Mädchen, nackt, nur mit einem Gewirr goldglitzernder Bänder umgürtet. Während sie langsam hin zur Mitte schwebte, kam von der anderen Seite die Partnerin, nackt, wie die erste, doch von einer schwarzen Crepewoge überflossen, auch das Gesicht von dunklem Schleier verhüllt. Die beiden tanzten, die Lichtblonde, Goldflimmernde, die das Leben darstellte, und die dunkelhaarige, Schwarzverschleierte, die den Tod bedeutete. Sie suchten sich, und sie flohen einander, sie umschlangen sich wie in heißester Leidenschaft, und dann riß sich die Lichte aus den Armen der Dunklen wie in namenlosem Entsetzen. Ein Gaukelspiel zwischen dem gleißenden Tageslicht und der schwermütigen Nacht, das der surrende Zauber von der Decke her mit bunten Blitzen und schattenhaften Tinten malte. Zuletzt ein rasender Tanz der Leidenschaft, in dem das Leben den Tod zu besiegen