Erster Teil
Es war der letzte Tag des alten Jahres. Ein langanhaltender Frost hatte alles Leben in der Natur ertötet, aber vom wolkenlosen Himmel sandte die Wintersonne ihre Strahlen herab, die den knisternden Schnee ringsumher wie mit funkelnden Diamanten überstreuten. Und ihre Strahlen fielen auch auf die ehrwürdige Kathedrale der Stadt Lancaster, die jahrhundertealten, verwitterten Türme des Gotteshauses mit goldflimmerndem Netz umspinnend. Der weite Platz vor der Kirche, von dem sich verschiedene Straßen abzweigten, lag still und menschenleer da, wohl aus dem Grunde, weil es Mittag war und die meisten um diese Stunde ihre Mahlzeit einnahmen. Nur zwei Frauen gingen langsamen Schrittes an der Kathedrale entlang. Ihr suchender Blick, ihr häufiges Stehenbleiben bewies, daß sie Fremde waren, die nicht recht wußten, wohin sie sich wenden sollten. Die eine, eine kleine, ältliche Dame, in einen Pelzmantel gehüllt und dicht verschleiert, hatte in ihrer Haltung und Erscheinung etwas Quäkerhaftes, was man von ihrer Gefährtin nicht behaupten konnte. Obgleich ebenfalls dicht verschleiert, verrieten doch deren anmutige Gestalt und graziöser Gang, daß sie bedeutend jünger sein mußte. Beide Damen schienen den höheren Ständen anzugehören. »Ich glaube, dies ist der richtige Weg, Tante Rahel,« sagte das junge Mädchen, auf eine Seitenstraße des Platzes deutend, »die andere dort, scheint mir, führt zum