Chapter

Ein Madchen aus dem Volke

Ob über wogende Kornfelder hinweg oder durch die saubergekehrten Gassen stillgewordener Städte von den läutenden Sonntagsglocken die Lüfte erklingen, Sonntagsfrühe ist erquickend und anregend für Alle, auch für den Einsamen, selbst für den Trauernden. Der Arbeiter erwacht ohne den mahnenden Ruf seiner Alltagspflichten. Die Spuren des mühseligen Wochenberufs werden entfernt; das frische Quellwasser, der geöffnete Wäschschrank schaffen neue Menschen. Sonntagsfrühe, ob gefeiert im Chor der Gemeinde unter rauschenden Orgeltönen oder im Blättergrün des Waldes unter zwitschernden Vogelstimmen, ob gefeiert sogar nur unter aufgeschlagenen geheimen Geschäftsbüchern und bei stillprüfender Uebersicht der Wochenabschlüsse, wie sie in Sonntagsvormittagsruhe der sorgernde Geschäftsmann liebt, oder gefeiert durch ein fesselndes Buch oder eine Musik, die man seinem Instrumente aus Schonung andächtiger Seelen vielleicht nicht während der Kirchenzeit entlocken wird …, Sonntagsfrühe ist belebend und erhebend wie die Sonne selbst, in deren östlichen Strahlen für die Natur und den Menschen eine viel gewaltigere Kraft zu liegen scheint als in ihren westlichen. Aber der Sonntagsnachmittag! Du wonnen- und qualenreichster Abschnitt des Tages der Ruhe und der Freude! Wer sie nie gefühlt hat die unendliche Leere eines einsamen Herzens, wer nie in seiner ungestillten Sehnsucht nach Liebe und Freundschaft

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