Chapter

Ein Landaufenthalt von Onkel Titus

Unter den schattigen Linden der schönen Promenade, die auf der Ostseite der Stadt Karlsruhe sich hinzieht, sah man seit einiger Zeit immer um dieselbe Nachmittagsstunde einen Spaziergänger hin- und hergehen, dem die anderen Lustwandelnden mit Teilnahme nachsahen, wenn sie an ihm vorbeigegangen waren, denn es war rührend anzusehen, mit welcher Sorgfalt die kleine Begleiterin, auf die der große Mann sich stützte, ihm ihre Hilfe bequem zu machen suchte. Der Mann mußte recht krank sein. Er konnte nur sehr langsam gehen; mit der rechten Hand stützte er sich auf einen festen Stab, die Linke hielt er auf die Schulter des Kindes gelegt, was er sichtlich nötig hatte. Von Zeit zu Zeit hob er aber die Hand etwas in die Höhe und fragte in zärtlichem Tone: »Sag, mein Kind, drücke ich auch nicht zu schwer auf dich?« Augenblicklich aber drückte das kleine Mädchen die Hand wieder auf seine Schulter nieder und versicherte: »Nein, nein, gewiß nicht, Papa; stütze dich nur viel fester auf mich, ich merke dich ja gar nicht.« Waren die beiden eine Zeit lang so hin- und hergegangen, so ließen sie sich auf einer der Bänke nieder, die hie und da unter den Bäumen stehen, und ruhten eine Weile aus. Der kranke Mann war Major Falk, der erst seit kurzer Zeit in Karlsruhe wohnte. Er hatte vorher in Hamburg gelebt und dort einen sehr stillen Haushalt geführt mit seinem Töchterchen Dora und einer älteren

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