Chapter

Ein kleiner Held

Wer will mit Kirschen essen?« fragte Karl – ein rotbäckiger, stämmiger Knabe mit blondem Flachshaar und großen lachenden blauen Augen – seine Kameraden. »Ich, ich«, riefen die zur Antwort und drängten um ihn herum. »Wo, wo gibt es denn welche?« »Auf Nachbars Kirschbaum«, war die Antwort. »Ach«, meinten die einen, »da wird der Nachbar zanken« – »oh, der ist hoch«, die anderen, und meinten hiermit den Baum – »da kommen wir nicht hinauf.« »Der Nachbar zankt nicht«, gab Karl fröhlich zurück, »und hinauf – den Baum möcht« ich sehen, auf den ich nicht kommen könnte!« »Nun denn mal los!« riefen die Knaben, und fort ging's in Nachbars Feld, und hast du nicht gesehen, kletterte Karl an dem glatten Baum in die Höhe, setzte sich leicht und bequem in dessen Zweigen zurecht, brach die dicken, schwarzen, glänzenden Kirschen und warf sie den Gefährten hinab. Die schmausten unten, Karl schmauste oben, und die Kirschen schmeckten ihnen herrlich. Mit einemmal kam aber der Nachbar über das Feld. Von weitem hatte er bemerkt, daß es recht munter und lustig bei seinem Kirschbaum herging; er war leise nähergetreten, um zu sehen, wer hier sein Wesen trieb. »Ungezogene Jungen!« schrie er die Knaben an. »Ihr maust meine Kirschen!« Die Jungen erschraken weidlich, dem einen blieben die Kirschen im Halse stecken, der andere hielt sie vor den Mund und stand unbeweglich da, als gehörte er in das Märchen vom

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