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Ein Kirchhofsgeheimniß

Ein Kirchhofsgeheimniß. Mitgetheilt vom Verfasser der „neuen deutschen Zeitbilder.“ „Es gibt gute, es gibt schlechte Gesetze. Nicht jedes Gesetz setzt das Recht fest. Wie wenige! Aber das schlechteste Gesetz kann unschädlich werden in den Händen eines verständigen, gerechten, humanen Beamten. Und das beste Gesetz ist nichts werth in den Händen eines schlechten Beamten. Und wie gute und schlechte Gesetze, so hat es auch zu allen Zeiten gute und schlechte Beamte gegeben. Ueberheben wir uns nicht über die Zeit vor uns. Sagen wir nicht, wenn uns so manchmal nur die Gebrechen früherer Rechtspflege vorgehalten werden, sagen wir nicht pharisäisch hochmüthig: das kann jetzt nicht mehr vorkommen!“ So schrieb mir vor wenigen Tagen ein sehr alter Criminalist aus Deutschland, indem er mir die nachfolgende Geschichte ausdrücklich zum Zwecke ihrer Veröffentlichung mittheilte. Die Zeit seiner Geschichte liegt fünfzig bis sechzig Jahre hinter uns. Das, was er erzählt, ist wahr und belehrend auch für die jetzigen Zeiten. Er erzählt: Ich war ein junger Amtsauditor. Amtsauditoren, Referendarien, Aspiranten, Praktikanten – die Unzahl junger Männer, die in Deutschland nach vollendeten Universitätsstudien bei den Behörden ihres Vaterlandes arbeiten, um sich als tüchtige Mitglieder der Büreaukratie auszubilden, hat viele Namen, wie – die lieben Kinder. Sie sind auch liebe Kinder. Dem Rathe, der ihnen

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