Erstes Kapitel
Wer von Stanislau im Waggon der Lemberg-Czernowitzer Bahn gegen Südost fährt, den schilfigen Ufern des Pruth und den Buchenwäldern der Bukowina entgegen, dem liegt zur Linken immer dasselbe Bild: die unermeßliche Ebene, an welcher die Jahreszeit nur die Farben ändert; weißglänzend liegt sie im Winter, gelbschimmernd im Sommer, in Frühlings- und Herbsttagen bräunlich-fahl. Zur Rechten aber schiebt sich dem Reisenden fast bei jeder Umdrehung der Achse ein neues Bild vor die Augen, jäh und rasch wächst ihm da das Waldgebirg der Karpaten entgegen, anfangs nur wie eine dunkle Linie, rätselhaft in das Blau des Horizonts eingezeichnet, dann wie abenteuerlich geballtes, aufsteigendes Sturmgewölk, bis nach geringer Zeit der Bergzug erkennbar wird, aber noch weit, sehr weit, verschwimmend im bläulich oder rötlich angehauchten Dufte der Ferne. Wer hier sein Auge losreißt, eine Weile auf die Ebene hinausblickt mit ihren grauen Hütten, dürftigen Äckern, fahlen Heiden, und sich dann wieder zur Rechten kehrt, dem wird eine reizvolle Überraschung: die erst so fernen Berge stehen dicht vor ihm, stolze, ernste Riesen, ewig grün im Kleide ihrer Tannen. Im Bergwald rauscht der Wind durch das nadelige Geäst und schlägt dem Reisenden den berauschenden Harzduft entgegen; über felsiges Geklüft brausen die eisigkalten, demantklaren Bergwasser zu Tal und stürmen schäumend im künstlichen Bette dahin, das