Winter
Früh und plötzlich überfällt heute der Winterabend den Hof. Die weißen Häuser auf Lysenstöa stehen nun grau im Schnee, der rote Stall ragt dunkel auf. Hinter dem Hofgatter schließen sich die Tannen enger zusammen. Aber nicht aus dem Walde, der weit hinauf über die buckligen Hänge sich dehnt, kommt die Nacht; sie steigt auf leisen Sohlen von der Fjordbucht empor und schleppt hinter sich her die Nebelschwaden über den grauen See. Die Kämme der jenseitigen Berge sind schon in ihrer Dämmerung verloren; ferne Lichter aus Hofstuben und Stallfenstern sitzen und blitzen wie matte Funken in den Falten ihres hüllenden Mantels. Rolf hebt abwehrend die Hand. Er steht am Fenster, am breiten, niederen Fenster seiner Stube im Lehrerhaus, das man ihm angewiesen hat, wie er vor zwei Jahren auf Lysenstöa eingezogen ist. Es ist nicht groß, das Lehrerhaus, und ist das äußerste unter den vielen Gebäuden auf dem Hof: steil fällt vor ihm der Hang hinab mit Weidland, Aeckern und Wald bis zur Seebucht. Es besteht nur aus zwei Stuben, aus Rolfs Wohnkammer und aus dem weißgetünchten Raum nebenan, wo er die beiden Bauernbuben jeden Morgen unterrichtet. Nun kehrt er sich vom Fenster ab, wandert durch die Stube, bis zum schwarzen eisernen Ofen, packt ein Scheit weißberindetes Birkenholz, schiebt es in die rotgraue Glut und schmettert die kreischende Ofentüre wieder zu. Er wandert zurück zum Fenster, sechs