Chapter

Erstes Kapitel

Betrachtet man die heutige Welt, wie sie grau, langweilig, eintönig und kalt aussieht – und vergleicht man sie mit jenem üppigen, bunten, farbenprächtigen, lebenswarmen Dasein vergangener Tage – so möchten wir Alten schier seufzen über die Verzwergung und Erfrorenheit der jetzigen Menschen. Guter Gott! Was geschah, was geschah nicht alles zu jenen Zeiten, von denen uns die Großväter erzählten! Nicht als wollte ich sagen, daß damals alles besser gewesen, oder behaupten, daß es heutzutage schlimmer sei – aber weiß der Himmel – anders war es! oh! anders! der Mensch lebte und fühlte es, daß er lebte, denn er verbrannte sich manchmal, oder bekam eins über den Schädel; es flammte und kochte in ihm auf in rechtschaffenem Zorn – kam's jedoch dann zum Umarmen und Küssen, so krachten die Knochen im Leibe. Männer und Frauen, alle waren wir im Leben tüchtiger und heißer; fasteten bei Wasser und Brot, tranken aber kannenweise; rauften auf Leben und Tod, liebten aber bis zum Sterben. Heute ist alles blaß, elend, hüstelnd und kränklich; es liebt weder, noch haßt es herzhaft – atmet kaum und schleicht wie leblos herum … Es wird sich wohl keiner von euch erinnern, noch wird er's gehört haben, was noch unter August II. Herrn Siegmund Pientka passierte; ich aber will's euch erzählen, damit ihr ein Pröbchen von dem Leben bekommt, welches damals fast überall gärte, und damit ihr erkennet, welches

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