Ein Gottesgericht
An dem rechten Ufer der Memel, etwa in der Mitte zwischen der Stadt Tilsit und dem kurischen Haff, liegt das adelige Gut Turellen. Es gehörte schon vor einer langen Reihe von Jahren einer alten, reichen Dame, einer verwittweten Gräfin von Ruthenberg. Sie lebte auch dort, aber ohne allen Umgang mit der Nachbarschaft, selbst mit den allerdings sehr wenigen adeligen Gutsbesitzern der Gegend. Desto häufiger, hieß es, bekomme die alte Dame Besuch von Verwandten und Bekannten aus Kurland. Die reiche Dame aber lebte in ihrer Eingezogenheit außerordentlich comfortable. Sie stammte aus Kurland, und war erst seit wenigen Jahren aus Rußland nach Preußen herübergekommen. In früheren Zeiten sollte sie sehr schön gewesen sein. An dem Hofe in St. Petersburg, der, als Kaiser Alexander der Erste noch nicht fromm geworden, gleichfalls eben kein frommer war, sollte sie damals lange Zeit eine glänzende, vielfach gefeierte Rolle gespielt haben. In den letztern Jahren sei sie, warum, wußte man nicht, am russischen Hofe nicht mehr gern gesehen; darauf sei sie nach Preußen gekommen, wo das Gut Turellen schon seit längerer Zeit ihrer Familie gehörte. Dies war in den ersten Jahren nach dem Regierungsantritt des Kaisers Nikolaus. Jetzt, eben weil sie mit Niemandem in der Gegend Umgang hatte, hörte man wenig mehr von ihr, als das Angegebene. Den Sommer pflegte sie in deutschen Bädern zuzubringen. Sie war