Ein genialer Streich
Der schwere Flügel des Eingangstores der Strafanstalt Plötzensee fiel knallend hinter Erich Miller ins Schloß. Zwei endlose Jahre hatte er wegen einer kleinen Verwechselung von Mein und Dein zwischen Gefängnismauern zubrigen müssen. Jetzt war er wieder frei. Und, tief die kräftige Luft des sonnigen Herbstvormittags einatmend, schritt er, ohne sich auch nur ein einziges Mal nach den roten Ziegelbauten der Zwingburg der strafenden Gerechtigkeit umzusehen, von dannen. Eine halbe Stunde später betrat er eine jener verräucherten Kneipen im Norden Berlins, die trotz ihres harmlosen Aeußeren oft die Schlupfwinkel für die gefährlichsten Verbrecher der Millionenstadt sind. Der dicke Wirt, der gerade mit dem Nachfüllen seiner Likörflaschen beschäftigt war, blickte nur kurz' von seiner Arbeit auf und meinte dann vertraulich: »Na, Finger-Miller, auch wieder da?« »Wie du siehst! Ist irgend ein Bekannter hier?« »Nur der schöne Oskar. Die andern sind seit zwei Wochen alle auf Sommerfrische.« Er grinste dazu. Sommerfrische bedeutete nämlich nichts anderes als die Strafanstalt Plötzensee. Finger-Miller verschwand hierauf hinter einer Thür, die Uneingeweihten durch ein Schild mit dem Aufdruck Privatwohnung den Eintritt verwehrte. Zwischen den schönen Oskar, einem berüchtigten. Einbrecher, und dem als Taschendieb sich ähnlicher Berühmtheit erfreuenden Finger-Miller fand jetzt in dem kleinen