Chapter

Ein Gast in der Nacht

1. Kapitel. Der Gefangene. Bereits hatte ich einmal Gelegenheit, meinen Lesern und Freunden als Schauplatz einer unserer Abenteuer einen Teil der Samlandküste Ostpreußens vorführen zu können. Es handelte sich damals um jenen merkwürdigen Taubenzüchter, der, wie Harst im übrigen sofort vermutet hatte, Diamantenschmuggler und -fälscher war. Seit jenen Tagen, wo wir beide die Moorwildnis südöstlich des Seebades Kranz durchstreiften und dort auch zum ersten Male Elche in Freiheit wie Urtiere der Vorzeit durch die Dickung brechen sahen, sind bereits volle zwei Jahre dahingegangen. Die Zeit fliegt. Ich werde alt. Nur mein Freund Harald Harst bleibt stets gleich jung, elastisch, frisch und unternehmungslustig. Eigentlich hätte ja unser letztes Erlebnis — der Fall Doktor Halden — meines Freundes Vorliebe für absonderliche dunkle Geschehnisse etwas dämpfen sollen, denn dieser Halden war mit uns nicht eben zart umgesprungen. Zwei Tage lagen die aufregenden Vorfälle in Haldens famosem Sanatorium erst zurück. Es war ein regnerischer, trüber Maimorgen und dabei so kalt, daß wir das Frühstück nicht wie sonst auf der Veranda, sondern in Harsts behaglich-vornehmen Arbeitszimmer einnahmen. Die dicke Köchin Mathilde kam jetzt das Geschirr abräumen und brachte einen Brief mit. »Eilbrief, Herr Harald,« meinte sie vertraulich, was sie sich schon leisten konnte, denn sie hatte Harst noch als

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