Chapter

Ein Fürst des Schwindels

Friedrich der Zweite hatte sich auf den Thron Preußens gesetzt. Seine Politik modelte er nach den Satzungen des heute noch geheimnisvollen »Testamentes des großen Kurfürsten«. Zunächst richtete er sein Augenmerk auf einen Neutralitätsvertrag mit Frankreich. Zu diesem Zweck sandte er den Baron von Langenau nach Versailles, um Ludwig den Fünfzehnten für seine Pläne günstig zu stimmen. Der Baron war zwar noch jung, besaß aber das vollste Vertrauen seines Königs und sah auch seine Bemühungen von einem solchen Erfolg gekrönt, dass eine baldige Unterzeichnung des Vertrages in sicherer Aussicht stand. Heute war er wieder zu einer Audienz nach Versailles befohlen und deshalb zu Wagen von Paris herbeigekommen, um wo möglich seine Aufgabe zur letzten Entscheidung zu bringen. Er fuhr nicht bis an das Schloss selbst heran, sondern ließ bereits in ziemlicher Entfernung von demselben halten und stieg aus. Zu Fuße begab er sich unbemerkt nach der Umzäunung des Parks und schritt an derselben hin bis zu einer Pforte, an welcher er sich halblaut räusperte. Sofort klirrte ein Schlüssel in dem Schloss; es wurde von innen geöffnet, und er sah sich einer Dame gegenüber, deren Schönheit allerdings geeignet erschien, einen so außergewöhnlichen Schritt zu erklären. »Amély!« »Charles!« Er nahm ihre kleine Hand, bückte sich auf dieselbe nieder und küsste in galanter Courtoisie die Fingerspitzen ihrer

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