Chapter

Erstes Kapitel

Oeyvind hieß er, und er weinte, als er geboren wurde; aber als er erst aufrecht auf dem Schooße der Mutter sitzen konnte, lachte er, und wenn sie des Abends Licht anzündeten, lachte er so, daß es wiederhallte, doch weinte er, als er es nicht anfassen durfte. »Aus dem Buben muß etwas ganz Besonderes werden,« sagte die Mutter. Ueber die Stätte seiner Geburt neigte sich ein nackter Berg, der aber nicht hoch war: Fichten und Birken blickten von seinem Gipfel nieder, und Traubenkirschen streuten Blüten auf das Dach. Aber oben auf dem Dache weidete unter Oeyvinds Aufsicht ein kleiner Bock, auf diesen Raum war er beschränkt, um sich nicht verlaufen zu können, und Oeyvind trug Laub und Gras zu ihm hinauf. Eines schönen Tages hüpfte der Bock hinab und hinein in das Gebirge; er kletterte gerade aufwärts und gelangte nach Stellen, an denen er nie zuvor gewesen war. Oeyvind sah den Bock nicht, als er nach dem Abendbrote hinauskam, und dachte sogleich an den Fuchs. Es wurde ihm über den ganzen Körper heiß, er blickte sich um und lauschte. »Zickchen!« rief er, »Zickchen, Zickchen!« – »Bä–ä–ä!« antwortete das Böckchen oben am Felsenrande, legte den Kopf auf die Seite und schaute hinab. Aber neben dem Bocke lag ein kleines Mädchen auf den Knieen. »Gehört dir der Bock?« fragte es. Oeyvind stand mit offenem Munde und großen Augen da und steckte beide Hände in die Hosentaschen. »Wer bist du?«

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