Ein Friedensstörer
Erzählung von Victor Blüthgen. Die klare Herbstsonne schien auf Pelchow so warm, wie sie nur je einem vorpommerschen Gutsdorfe den Nachgeschmack des Sommers gespendet. Freilich stand sie im Augenblicke auf der Höhe ihrer Mission; denn es war gegen drei Uhr Nachmittags. Bei der kristallenen Klarheit, welche die Luft in dieser Jahreszeit namentlich in Gegenden hat, wo die Nähe der See sich bemerklich macht, gewinnt der ungedämpfte Sonnenschein leicht etwas Blendendes, und wohl darum zog das junge Mädchen, welches vom Herrenhause her über den Gutshof schlenderte, an einer Gummischnur den vordern Rand des gelben Schwingers thunlichst tief über das hübsche, lebhaft gefärbte Gesicht. Sie nahm den Weg zum Dorfausgange, über uraltes holpriges Steinpflaster, zwischen dessen Ritzen in dreister Ueppigkeit Gras, Löwenzahn und Wegebreit wucherten; rechts die Verbalkung des Kuhringes, links ein gänzlich sich selbst überlassnes Stück Land, das die ziemlich verfallene und verbröckelte Lehmmauer des Gutes abschloß. Der Kuhring war leer; die Kühe konnte man weit jenseits des Hofes im Wiesenlande beobachten, wo sie eingekoppelt mit erhobenen Schwänzen herumgaloppirten oder friedlich weideten. Nur Spatzen, Tauben und Hühner trieben sich in dem Ringe umher, in diesem Augenblick das einzige Lebendige, welches die junge Dame auf dem Hofe gewahrte; denn die Störche, welche während des Sommers das