Kapitel I
In der Rue Neuve-Saint-Augustin wurde die mit drei Koffern beladene Droschke, mit der Octave vom Gare de Lyon1 kam, durch ein Wagengedränge aufgehalten. Trotz der schon empfindlichen Kälte dieses trüben Novembernachmittags ließ der junge Mann ein Wagenfenster herunter. Er war überrascht über den jähen Einbruch der Dunkelheit in diesem Stadtviertel mit den zu engen, über und über von Menschen wimmelnden Straßen. Die Flüche der Kutscher, die auf die schnaubenden Pferde einhieben, das unaufhörliche Ellbogengestoße auf den Bürgersteigen und die dichtgedrängte Reihe der von Verkäufern und Kunden überquellenden Läden machten ihn ganz benommen; er hatte sich Paris sauberer vorgestellt, und er war auch nicht auf einen so tollen Betrieb gefaßt gewesen; er fühlte, daß diese Stadt den Begierden handfester Kerle offenstand. Der Kutscher hatte sich herabgebeugt. »Es ist doch in der Passage Choiseul?« »Nicht doch, in der Rue de Choiseul ... Ein neues Haus, glaube ich.« Und die Droschke brauchte nur um die Ecke zu biegen; es war das zweite Haus, ein großes vierstöckiges Haus, dessen steinerne Front inmitten des rostfarbenen Putzes der alten Nachbarfassaden eine kaum gerötete Blässe bewahrte. Octave war ausgestiegen und stand auf dem Bürgersteig, er musterte das Haus mit einem mechanischen abschätzenden Blick, vom Seidenwarengeschäft im Erdgeschoß und im Zwischenstock bis hinauf zu den