Chapter

I. Ein Morgen im Comptoir

Zu Anfang des Sommers im Jahre 1850 sah man an einem Hause in der W.straße zu Hamburg ein neues Schild mit der Inschrift: „Wechsel-Comptoir von Franz Soltau.“ Das Haus war von alter Bauart, der Giebel ging nach der Straße hinaus, die Menge kleiner Fenster desselben war vergittert, und die Thür bestand aus einem einzigen großen Flügel von schwerem Eichenholze. Trotzdem aber hatte dieses Haus ein freundliches, fast elegantes Ansehen, denn der ganze Giebel war von der Firste bis zur Schwelle mit dunkelgrüner Oelfarbe angestrichen, die Fensterscheiben erglänzten wie Krystall, und die große Thür mit dem schwarz lackirten Schlosse schien so eben erst verfertigt zu sein. Das große Schild mit den goldenen Buchstaben vollendete die Stattlichkeit des restaurirten alten Gebäudes. Das Innere entsprach dem Aeußern: die Tünche der Neuzeit überzog das solide Alterthum. Ueberschritt man die weite Hausflur, welche die ganze Breite des Hauses einnahm, so trat man durch eine kleine gewölbte Thür in das Comptoir. Es war dies ein eben nicht großer gewölbter Raum, dessen drei Fenster nach einem Kanale hinausgingen. An jedem der Fenster befand sich ein vergittertes Bureau, vor dem ein Commis arbeitete. Vor dem Bureau stand ein langer, schmaler Tisch. Durch eine Glasthür rechts sah man in das Kabinet des Chefs dieses jungen Bankhauses. Es war im Juni, Morgens halb zehn Uhr. Der Comptoirbote trat ein

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