Chapter

Ein Dichterstücklein

Vor dem Tode kommt die Krankheit, der Auflösung in Staub und Asche geht die Verwesung voran. Nicht anders ist es mit dem Ende und der Zersetzung des Adels in Frankreich zugegangen. Richelieu und Mazarin haben ihm das Lebenslicht ausgeblasen, der Leichnam wurde zum Fußschemel der unumschränkten Königsgewalt, und die Fäulniß äußerte sich in den schnödesten Ausartungen des Junkerthums. Das Missgeschick des Adels von Schild und Helm lastete damals zum großen Theil auch auf dem Adel von Gottes Gnaden, den keiner erbt und keiner seinen Nachfolgern hinterläßt. Wie heutzutage der Dichter sich im Kleinbürgerthum gefällt, auch wenn er in Lied und Wort vollends hinabsinkt zum Schlamm der menschlichen Gesellschaft, so war er zu jener Zeit ein Junker in des Wortes schlimmster Bedeutung wie in der besten. Liederreich und Lüderlich gingen Hand in Hand. Ein Muster der Gattung war der hochbegabte Sänger aus Chimay, von welchem dieses neue Stücklein berichten soll. Jakob Lainez hat seines Hauses Namen unsterblich gemacht. Wie nämlich Ignaz von Loyola der streitenden Kirche Georg von Frundsberg, so war Lainez der Kaspar von Frundsberg derselben. Ein späterer Lainez, mit dem Taufnamen Alexander, machte sich als Dichter bekannt, und war ein Dichter mit allen Gaben und allen Fehlern seines Zeitalters. Schon lagen die grünen Tage der Jugend weit, weit hinter ihm, als das achtzehnte Jahrhundert

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