Ein Damen-Duell
Ein Damen-Duell. Von Sacher Masoch. Das Fußregiment der Preobraschenskischen Garden hatte die Wache im Winterpalaste bezogen. Es war im Frühsommer, aber die Czarin Katharina die Zweite schien noch immer nicht daran zu denken, das festliche Petersburg mit dem idyllischen Landaufenthalt von Zarskoje Selo zu vertauschen. In der geräumigen weißgetünchten Wachtstube schliefen die Soldaten sitzend, aus Furcht, ihre großen festgewickelten Zöpfe zu beschädigen; in dem kleinen anstoßenden Officierszimmer lagerten Lieutenants und Junker von den verschiedensten Regimentern um einen langen schmierigen Tisch und spielten Onze et demi; sie spielten bereits den ganzen Nachmittag und spielten bis in die Nacht hinein bei dem spärlichen Lichte einer kleinen Oellampe, welche von der rußigen Decke herabhing. Nur Einer spielte nicht. Es war ein junger schlanker Officier mit blühendem Gesicht und großen hellblauen Augen unter dunklen Wimpern und dunklen Brauen, welche sich beinahe coquet von dem weißen Toupet abhoben. Er saß, die Beine weit von sich gestreckt, die Hände nach rückwärts in die Taschen seines grünen Uniformfrackes versenkt, in einer finstern Ecke und starrte vor sich hin. Jetzt verließ auch ein Zweiter den Spieltisch; er athmete auf und blickte um sich, dann näherte er sich dem Cameraden in der Ecke. „Du spielst nicht mehr, Koltoff?“ begann er, die Hand auf seine Schulter legend. „Nein