Chapter

Erstes Kapitel

Die Nachtlampe brannte auf dem Kamin hinter einem Buche, dessen Schatten eine Hälfte des Zimmers zudeckte. Es war ein mildes Licht, das die dicken Falten der Plüschvorhänge badete und die Spiegelscheiben des zwischen den beiden Fenstern aufgestellten Mahagonisilberschrankes bläute. Die bürgerliche Harmonie des Zimmers, dieses Blau der Vorhänge, der Möbel und des Teppichs nahm um diese Stunde eine unbestimmte Milde an. Und den Fenstern gegenüber bildete neben dem Schatten das ebenfalls mit Plüsch verhangene Bett eine dunkle Masse, nur von der Blässe der Bettdecken aufgehellt. Helene, die gekreuzten Hände in der ruhigen Haltung der Mutter und Witwe übereinandergelegt, atmete leicht auf. Inmitten der Stille schlug die Pendüle eins. Die Geräusche des Stadtviertels waren erstorben. Hier auf diese Anhöhen des Trocadero sandte Paris bloß sein fernes Schnarchen. Helenes leiser Atemzug war so sanft, daß er die keusche Linie ihres Busens nicht hob. Sie genoß einen schönen, ruhigen und kräftigenden Schlaf. Ihr edles Profil umrahmte das zu mächtigen Flechten aufgesteckte kastanienbraune Haar; der Kopf lag leicht zur Seite geneigt, als ob sie lauschend entschlummert sei. In der Tiefe des Zimmers öffnete sich die Türe einer großen Kammer. Kein Geräusch wurde laut. Es schlug halb. Der Pendel hatte in dieser das ganze Gemach beherrschenden Stille einen gedämpften Schlag. Die Nachtlampe

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