Chapter

Ein Amnestirter

Erzählung von J. D. H. Temme. Amnestie! Das Wort war lange ein Zauberwort für uns. Das Leben des Flüchtlings ist ein schweres, bitteres, trauriges. Das Vaterland ist ihm verschlossen, die Heimath bleibt ihm immer und immer fern. Er kann nicht an sie denken, ohne daß zugleich Zuchthaus und Todesurtheil vor ihm stehen. Es ist so schön in der Schweiz, so wunderschön in Zürich. Wir lebten so frei hier, so sicher vor den Zuchthäusern und Todesurtheilen der Heimath, ein Kreis braver, trauter und treuer Freunde. Aber wenn wir auf hohem Berge standen, vor uns und neben uns und rund um uns her, wohin und so weit das Auge reichte, die erhabensten, die wundervollsten Schönheiten der Natur: das Auge flog über sie alle hinweg, es suchte nur eine Richtung, es suchte den Norden; nach Norden schweifte es in die weiteste, in die dunkelste Ferne; dort suchte es das Vaterland, die Heimath, Deutschland, und es konnte sich nicht abwenden, bis dort über die Mitternacht sich die Mitternacht legte und Alles in ihr tiefes, undurchdringliches Dunkel einhüllte. Das Vaterland hatte sich uns verschlossen, die Heimath hatte uns ausgestoßen, Deutschland sollte für uns nicht mehr da sein. Wir halten nur einen Gedanken, nur eine Sehnsucht: Vaterland, Heimath, Deutschland. Manchen brachte die Sehnsucht in das frühe Grab, und wenn wir Anderen an dem Grabe weinten – die Sehnsucht wurde in uns nur um so mächtiger,

Connection lost

Reconnecting to the server…

Reconnect failed. Trying again in seconds.

We couldn't reconnect to the server. Retry, or reload the page.

The session was paused by the server.

The session couldn't be resumed. Please reload the page.