Der Leuchter der Lady Dreabram: 1. Miß Sampsons Brief
Er steht vor mir, der Leuchter der Lady Viktoria Dreabram, die eines so rätselhaften Todes starb. Er steht vor mir und ruft mir alle Einzelheiten unseres damaligen Abenteuers in Allahabad ins Gedächtnis zurück. Es ist ein wundervolles Erzeugnis altindischer Goldschmiedekunst. Die schlanken Linien des in Schleier gehüllten Körpers der indischen Tänzerin, deren hochgereckte Arme die Lichthülle in Form eines goldenen Tellers halten, drücken ein ungezügeltes Temperament aus. Das Gesicht aber hat einen scharf herausgearbeiteten, beinahe teuflisch-höhnischen Zug um den Mund. In dem Lichthalter steckt noch die dicke, etwa drei Zentimeter lange Kerze. Nichts ist an dem Leuchter verändert worden seit dem Tage, als Harald Harst ihn geschenkt erhielt – nichts! Ich betone dieses Nichts, und der Leser wird das nachher verstehen. Diese goldene Tänzerin spielt die Hauptrolle in dem Drama, das ich hier schildern will. Oder doch mit die Hauptrolle. – Und links von mir liegt auf der Schreibtischplatte jener Brief, den Miß Regina Sampson, die Gesellschaftsdame Lady Dreabrams, damals an Harst nach Bukar, der Residenz des Maharadschas Basava Pur, geschickt hatte, nachdem wir dort das Rätsel von Paragwana restlos gelöst und noch eine Woche als Gäste des Fürsten in Bukar geblieben und an zwei Tigerjagden teilgenommen hatten. – Der Brief lautet im Auszuge: »Ich weiß, daß Sie, Master Harst, gerade