Chapter

Erster Abschnitt

Es ist nicht selten, daß Männer, welche ihre Frauen verloren haben, als Witwer sich wenig fähig zeigen, Töchter gut zu erziehen, so wie es verwitweten Frauen fast unmöglich ist, Söhne richtig zu behandeln. Es scheint, als wirkte die Liebe, die in diesen Fällen fast immer eine ungehörige ist, zu einseitig. Man hat in Deutschland so viele Bibliotheken über die Wissenschaft der Erziehung geschrieben, und doch ist das Verziehn eigentlich nur durch diese zu einem System geworden, und wären nicht Leidenschaft, Schicksal und Unglück, welche sich so oft des verwahrloseten Menschen annehmen müssen, so würden die Folgen dieser überzarten, zu wissenschaftlichen und allzueiteln Verbildungs-Anstalten der Kinder noch viel trübseliger seyn, als sie uns jetzt wohl schon oft genug und schmerzlich ins Auge fallen. Dies ungefähr sagte ein alter strenger Mann seinem Freunde, dem reichen Banquier Runde, der mit großer Gutmüthigkeit dem Eifern des Rathes Ambach zuhörte und nur selten etwas erwiederte. Was Du eben bemerkt hast, Freund, sagte Runde nach einer Pause, ist gewiß sehr richtig; jenes Unsichtbare, welches außerhalb aller Berechnung liegt, unsere Hoffnungen wie Befürchtungen tausendmal Lügen straft, und das wir Schicksal oder Vorsehung nennen, muß wohl in allen unsern Anstalten das Beste thun und mit seiner feinen Geisterhand die rohen Blöcke unsrer Pläne und Absichten in schöne Bildungen

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