Chapter

Ehetag

Jetzt, genau in dieser Sekunde, sind es zwölf Wochen,« sagte die junge Frau und sah zärtlich den Mann an, der genau so schlank wie sie, nur noch etwas größer als sie, neben ihr einherging. »Und übermorgen um halb sieben Uhr abends ist es ein ganzes Jahr, daß wir uns zum erstenmal sahen.« Dieses hinreißend feuerblaue Auge! Dazu trug sie ein Kleid aus rosa Crêpe! Überglücklich lächelte er. »Du« – sie blieb stehen, – »wenn es damals nicht dazugekommen wäre, glaubst du, es wäre später doch geschehen?« Er blickte, wie um die Antwort zu finden, ins Tal zurück. Die Prossau, unter dem Felsbau, den die Gletscher beflanken, lag schwergrün, kaum herbstlich, in stiller Besinnung. Drüber der Himmel in jenem geläuterten Blau höchster Feier, den ein unbefleckter Morgen noch dem Abend zurückläßt, wenn kein dunstiger Brand die gefährlichen Stunden des Mittags entzündet hat. Weder ein Ton von Leidenschaft, noch ein Hauch von Tragik oder von süßlicher Sentimentalität störte die Ruhe, darin die gerundete Landschaft verharrte; aber auch kein Zug. selbstzufriedener Plattheit! Sicher, im vollen Besitz ihrer Grenzen, und bewußt dieser Schönheit, empfing sie die letzte Sonne des Abends und war voll gerüstet, sich morgen im Schnee oder Regen ohne Minderung zu behaupten. »Antworte! Du!« lachte die junge Frau und ergriff wieder die Hand des Mannes. »Seitdem ich dich habe« – froh nahm er den Weg wieder auf

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