Chapter

Erstes Kapitel

Salzbrunn war in der Mitte der vierziger Jahre noch nicht der mit modernem Komfort eingerichtete, teure Badeort, der es heute ist. Es besaß noch keine eleganten Hotels und keine Verkaufsbazare, keine Teppichbeete und keine Wiesbadener Preise. Trotzdem war sein Besuch ein lebhafter und bei aller Einfachheit der Verhältnisse gab es etwas wie ein Badeleben. Gegenüber dem Kursaal stand eine Art Vogelgebauer, das das »Orschester« genannt wurde und in dem man eine jener Bademusiken veranstaltete, die zwischen dem Erträglichen und dem Unerträglichen die Mitte halten. Es gab eine Promenade, auf der die neuesten Pariser Moden spazieren geführt wurden, Réunions, bei denen getanzt und musiziert wurde, und selbst eine Leihbibliothek von etwa hundert Bänden, in der neben den Räuberromanen von Spindler und Vulpius die Flygare-Carlèn und die Paalzow, Walter Scott, eine Anzahl »Taschenbücher für Liebe und Freundschaft« und für verwegenere Gemüter Paul de Kock und Eugen Sue zu haben waren. Selbstverständlich gab es auch den nötigen Badeklatsch; die Toiletten-, Gesundheits- und Moralitätsjury waltete damals so gut wie später ihres Amtes, und Neuangekommene mußten sich so lange bemäkeln lassen, bis sie glücklich selbst in dem großen Gerichtshof Aufnahme gefunden hatten. Da zwei auffallende Erscheinungen, Madame Florentine Gernoth, und ihre Tochter, Frau Doktor Rhode, sich sehr zurückhielten,

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