Die Reise
Der Zug hielt noch im Salzburger Bahnhof. Nicht der große Wien-Pariser Eilzug mit seinen Sammetcoupés und deren dichtgedrängtem Inhalt von karrierten Ueberziehern und schleierumgebenen Filzhütchen unter Bergen von Handgepäck – nein, der bescheidene Bummelzug, die Reisegelegenheit der kleinen Leute, dessen Wagen leere Gepäcknetze und außerdem Fensterplätze genug zum Auslugen rechts und links bieten. Er hat es niemals eilig, dieser Zug, er hatte es auch nicht an dem scharfkalten Februarmorgen, da unsere Geschichte beginnt. Seine Thüren standen alle noch sperrweit offen, mit Ausnahme derjenigen des Damencoupés, welche eine vorsichtige Hand kurz nach dem Oeffnen wieder beigelegt hatte in der stillen Hoffnung auf Weitergenuß der bisherigen Ungestörtheit. Sie gehörte zu den erfahrenen Reisenden, die große ältliche Dame mit dem scharfgeschnittenen Gesicht, das ergab sich aus der Art, wie sie die beste Aussichtsecke in Beschlag genommen und sich mit Handgepäck und Reisedecke wohnlich darin eingerichtet hatte. Auf den shawlumwickelten, emporgezogenen Knien hielt sie ein Schreibmäppchen und benutzte, nur hier und da einen Blick aus dem Fenster werfend, die noch übrige Wartezeit zum hastigen Zeilenfüllen. „Nur noch zwei Stunden Alleinsein,“ seufzte sie aufblickend, als jetzt beim ersten Glockenzeichen sich einiges Leben auf dem Perron zu regen begann, „und mein Feuilleton wäre beendet.