Kapitel 1
Heute war die erste Tanzstunde mit Herren. Fräulein Cölestins, die Tanzmeisterin, schoß wütende Blicke. Ihre kurzen grauen Locken, die ihr zu beiden Seiten des schmalen Köpfchens herabhingen, tanzten zitternd hin und her, und ihre kleinen Füße in den Kreuzbänderschuhen trippelten ungeduldig durch den Saal. »Meine Damen, mehr Haltung,« flötete sie. »Ich bitte Sie, doch endlich mal acht zu geben. Rechts chaffé und links chaffé. Kompliment! Aber ich bitte Sie, Fräulein von Monbert, verwechseln Sie doch nicht immer rechts und links. Fräulein Beringer, ich muß doch sehr bitten. Sie halten ja den Kopf, als hätten Sie eine Elle verschluckt. Noch einmal, meine Damen, die erste Position!« »Du, ich habe Eisbeine!« flüsterte eine kecke Blondine ihrer Nachbarin zu. »Was hast du?« »Eisbeine,« murmelte die Kleine zwischen den Schritten, die gotterbärmlich ausfielen, »und dabei glühen meine Hände, fühl' mal an! Und das alles um das Bengelszeug, das ich doch nicht ausstehen kann!« Die Angeredete hob leicht mit überlegenem Lächeln das hübsche Köpfchen, während sie mit tadelloser Eleganz einige Tanzschritte machte. »Ich glaube gar, Annegrete, du hast Furcht!« »Ach, ganz und gar nicht. Aber alle wollen mir einreden, daß es ein so hochwichtiger Augenblick ist, wenn zum ersten Male die Herren Jungens losgelassen werden, und dann weißt du, Mama sagt, man könne auch sitzen bleiben und davor graule