Chapter

Ein seltsamer Gast

Herr V. D. M. Gottfried Michel, seit wenigen Jahren wohlbestallter Pfarrherr zu Rüschegg, war bei einem Bauernhause im Gfell untergestanden. Große Tropfen klatschten in heulenden Windstößen gegen die altersgraue Bretterverschalung der Laube. Bald knisterte dichter Regen auf dem morschen Schindeldach, und es ward — nachmittags um die Kaffeezeit — so finster, als würfe schon die Nacht ihre Schleier über die Berge. Ein Blitzstrahl blendete desto grausiger. Unwillkürlich blickte der junge Pfarrer nach dem Hügelrücken, auf welchem das kleine Turmspitzchen seines Kirchleins, kaum erkennbar, aus Tannenwipfeln ragte. — Nein, es hatte nicht dort eingeschlagen. Wohl eher im Unterscheidwalde drüben. Dort schien eine Tanne zu rauchen. Oder war es nur ein Nebelfetzen? — Es war nun schon das dritte Gewitter heut. Alles lag in Dampf und Nebelschwaden. Der Donner rollte seit dem frühen Morgen fast ununterbrochen. In den Widerhall, der an den Waldhängen vom Gurnigel bis hinaus zum Guggershörnli hin und her lief, als suche er umsonst einen Ausgang in freie Weiten, krachten immer neue Schläge. «Chömit yne, Herr Pfarrer, es brätschet ja bis a d’Wand hingere.» Die dürre Hand der Bäuerin zupfte an des Pfarrers Aermel. Aber Herr Gottfried rührte sich nicht. Bald darauf kam sie wieder: «Chömet yne, i machen Ech es Gaffee.» Es half nichts. «I wott ihm e chly zueluege,» antwortete er, «me gsehts da eso

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