Kinder
Er wurde auf einem großen Amerikadampfer geboren, während eines heftigen Sturmes. Der Arzt übergab das Kind der Stewardeß, die sich kaum auf den Füßen halten konnte. »Werft mich ins Wasser! Werft mich ins Wasser!« schrie die junge, blonde Wöchnerin. »Aber es ist ja alles vorüber«, beruhigte der Arzt. Bald war auch alles vorüber. Der Sturm legte sich. – Auch die Frau wurde still, ganz still – und gegen Abend war sie tot. Am nächsten Morgen versenkte man einen großen, zusammengenähten Sack ins Meer. Der Wind wehte den wenigen Passagieren, die sich zu der düsteren Feier eingefunden hatten, einen feinen, kalten Sprühregen ins Gesicht. Der Kapitän machte es kurz: »Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!«... Die Hüte, Mützen und Kappen flogen von den Köpfen... Jetzt goß es nur so. Die wenigsten warteten das Ende ab. Später beim Grog sagte der Arzt: »Ein blutjunges, dürftiges, kleines Frauchen war es, hatte mit ihrem Manne eine Reise nach Neuyork zu Verwandten gemacht, und da er plötzlich heimkehren mußte, war sie später allein nachgereist. Am Kind ist nichts dran, ein Wunder, wenn es durchkommt.« Auf der Landungsbrücke in Bremerhaven stand ein großer, hagerer Herr mit einem Blumenstrauß. Der Kapitän und der Arzt schritten auf ihn zu, ihnen folgte die Stewardeß mit dem Kinde. Es wurden nur wenige Worte gewechselt. Der Herr wurde kreidebleich – der Blumenstrauß fiel