Chapter

Kapitel 1

Viel Worte machte der Oberst von Ottersleben nicht, als er aufstand, um an der Festtafel im Kasino seines Regiments das Hoch zu Kaisers Geburtstag auszubringen. Was hätte er auch sagen sollen, was nicht heute, am 27. Januar, in der Armee, vom Bodensee bis zur Weichsel, selbstverständlich war? Er hielt das Sektglas in der Hand und überschaute den langen, hufeisenförmigen Tisch, der heute, wo alle Verheirateten mitspeisten, wo die Ärzte, wo die Zahlmeister, die man sonst hier nie sah, gekommen waren, den ganzen Saal bis an die Türen hin füllte. Dort drüben saß, unter der palmeneingerahmten Büste des Kaisers, zum Einsatz bereit, die Musik. Der Stabshoboist Schickedorn, der mit seinen Backenbartstreifen und dem rötlich jovialen Gesicht wie ein Potsdamer General aussah, hielt den Taktstock in der Rechten und schaute erwartungsvoll hinüber nach dem Regimentskommandeur. Alle Offiziere hatten sich erhoben. Sie standen in langen Reihen, mit gesammelten, dienstlich ernsten Gesichtern. Sechzigfach und öfter wiederholte sich der Namenszug des Infanterieregiments Burggraf Friedrich von Nürnberg auf den Stabsoffiziersraupen, den Leutnantsepauletten, den Achselklappen der Junker unten am Tisch. Es war tiefe Stille. Durch die klang kurz und scharf die Stimme des Obersten: »Seine Majestät der Kaiser und König, unser allergnädigster Kriegsherr, hurra!« »Hurra!« »Und abermals: Hurra!« »Hurra!«

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