I. Aus dem Nethegau
Wonnig ist's, in Frühlingstagen Nach dem Wanderstab zu greifen Und, den Blumenstrauß am Hute, Gottes Garten zu durchschweifen. Oben ziehn die weißen Wolken, Unten gehn die blauen Bäche, Schön in neuen Kleidern prangen Waldeshöh' und Wiesenfläche. Auf die Bleiche bringt das Mädchen, Was der Winterfleiß gesponnen, Und dem Hain erzählt die Amsel, Was im Schnee sie still ersonnen. Sind es auch die alten Töne, Die bekannten, längst vertrauten, Doch die Bleicherinnen lauschen Gern den süßen, lieben Lauten. Gern den süßen, lieben Lauten, Die in Berg und Tal erklingen; Hirtenbub' und Köhlerknabe Horchen auf, um mitzusingen; Mitzusingen frisch und freudig Nach des Winters langen Schmerzen; All die halbvergeßnen Lieder Werden wach im Menschenherzen. Halbvergeßne alte Lieder Werden wach in meiner Seele: Hätt' ich nur, sie auszusingen, Wilde Amsel, deine Kehle! – Was die Linde mir erzählte, Was der Eichenwipfel rauschte, Wenn ich abends ihrer Blätter Heimlichen Gesprächen lauschte; Was die muntern Bäche schwatzten Hastig im Bergunterrennen, Wilde Knaben, die nicht schweigen Und nicht ruhig sitzen können; Was die Zwerge mir vertrauten, Die in fernen Waldrevieren Still in Spalten und in Klüften Ihren kleinen Haushalt führen; Was auf mondbeglänztem Anger Ich die Elben lispeln hörte; Was mich des ergrauten Steines Moosumgrünte Inschrift lehrte: Dies und was ich las in staub'gen Lederbänden und