Chapter

Die erste Nacht

Mein Leben ist still geworden wie ein gefangener Vogel, der seine Freiheit vergessen mußte. Die Zeit, in der das Erhabene uns so nahe steht wie die große Torheit, liegt schon zehn Jahre hinter mir. Ich bin weder dem einen erlegen, noch hat mich das andere verlockt. Der Mittelweg führte mich in die breite Menge, und die meisten Blüten setzten keine Frucht an, und sinne ich jenen ungebärdigen Jahren nach, scheint's mir schon manchmal, als erinnerte ich mich an den Traum eines Fremden. Das Merkwürdigste in meinen Brausejahren ist auch wirklich nicht mir, sondern einem andern begegnet. Von diesem schönen aber schweren Schicksal, das damals mein Leben berührte, will ich nun erzählen, und zwar möglichst so, wie ich es frisch unter dem Eindruck niedergeschrieben habe. Nur weniges ergänze ich zur Abrundung und Klarheit aus dem Gedächtnis und dem Geist jener Begebenheiten und Menschen. Es war im Jahre 1898. Ich hatte dazumal mein Lehramt noch nicht lange angetreten. Aber schon in jener Zeit besaß ich die glückliche Hartnäckigkeit, durch mein Leben meiner Seele zum Ausdruck verhelfen zu wollen, ohne viel Rücksicht auf die dumpfen Gewohnheiten des Alltags und die kümmerlichen Ängstlichkeiten zu nehmen, von denen die Mehrzahl meiner Kollegen sich schrecken ließen. Darum geriet ich gar bald in ein unerfreuliches Verhältnis zu meiner Behörde. Zum Lohne für die Achtung vor den Notwendigkeiten

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