Der Seminolen-Schatz
Mitte Mai kann es in der Gegend der Halbinsel Florida schon recht unangenehm warm sein, besonders an einem windstillen Tage. Und ein solcher war der 15. Mai 1908. – Deshalb sagte jetzt auch Thomas Alverson, der auf der Kommandobrücke des Küstendampfers „Vanderbilt“ neben Austin Jenkins stand, prustend und sich mit dem Taschentuche Luft zufächelnd: „Eine Bombenhitze! – Eigentlich eine Verrücktheit, hier bei 32 Grad auf diesem alten, dreckigen Kohlenkasten herumzugondeln, nur weil ein demnächst dem Säuferwahnsinn verfallener Seminole allerhand von einem Schatz und von einer öden Insel zusammengefaselt hat …! – Tatsächlich – ich hätte mir die Sache besser überlegen und nicht mein schönes Geld für diese abenteuerliche Fahrt zum Fenster hinauswerfen sollen …!!“ Thomas Alverson litt mehr unter der Hitze als sein Freund Jenkins. Dieser war mager wie ein Windhund, hatte ein bartloses Gesicht und eine Habichtsnase, dazu ein Paar stechende dunkle Augen und ein stetes Lächeln um den breiten, brutalen Mund. Alverson dagegen wog mindestens seine zwei Zentner. Der rötliche Vollbart, die hellen, nichtssagenden Augen und die Riesenglatze, die sich fast bis in das feiste Genick hinabzog, ließen ihn weit harmloser und gutmütiger als den anderen erscheinen. Und doch waren die beiden Ehrenmänner sich in jeder Beziehung ebenbürtig. Ihres Zeichens Rechtsanwälte aus Atlanta im Staate Georgia, waren