I
Mitten in den Wäldern von Kershenez finden sich zahlreiche einsame Gräber zerstreut; in ihnen modern die Gebeine frommer Greise, die sich zur Lehre der Altgläubigen bekannten, und von einem dieser Greise – Antipa hieß er – erzählt man sich in den Dörfern der Umgegend noch heute mancherlei. Antipa Lunew, ein reicher Bauer von strengem Charakter, war bis an sein fünfzigstes Jahr in weltlicher Sünde versunken gewesen, hatte dann Einkehr bei sich gehalten und, von Schwermut ergriffen, seine Familie verlassen, um sich in die Waldeinsamkeit zu begeben. Dort, am Abhang einer steilen Schlucht, hatte er seine Einsiedlerzelle zurechtgezimmert, und hier lebte er acht Jahre lang, Sommer und Winter, ohne irgend jemand, seien es Bekannte oder Verwandte, Einlaß zu gewähren. Zuweilen stießen Leute, die sich im Walde verirrt hatten, zufällig auf seine Zelle und sahen Antipa, im Gebet versunken, an ihrer Schwelle knien. Sein Anblick erregte Furcht: er war ausgemergelt vom Fasten und Beten und ganz mit Haaren bedeckt wie ein Tier. Wenn er einen Menschen sah, so stand er auf und verneigte sich schweigend vor ihm bis zur Erde. Fragte man ihn, wie man aus dem Walde hinausgelangen könne, so wies er, ohne ein Wort zu sagen, mit der Hand den Weg, verbeugte sich nochmals bis zur Erde, ging in seine Zelle und verschloß sich darin. Man hatte ihn häufig gesehen in den acht Jahren, aber kein Mensch hatte