Chapter

Esther Wieburg

»Wie gesagt, Herr Pastor, darin kann ich Ihnen nicht Recht geben, das ist keine Erziehung für ein Mädchen! Einen Jungen mögen Sie alle diese Dinge lernen lassen, meinetwegen; aber ein Mädchen kann in ihrem ganzen Leben nichts damit anfangen. Das ist meine Meinung, und dabei bleibe ich, sowahr ich Friederike Booland heiße!« Frau Friederike Booland, die Sprecherin dieser energischen Worte, bekräftigte den Schluß ihrer Rede damit, daß sie ihre große, knochige Hand laut schallend auf den Schreibtisch niederfallen ließ, neben welchem sie stand. An diesem Schreibtische aber saß derjenige, dem ihre Rede galt, Pastor Wieburg, der Geistliche im Dorfe Rahmstedt. Seit Jahren schon lebte Frau Booland hier im Hause, nachdem ihr eigener Gatte, der Schulmeister des Dorfes, gestorben, und von jenem Tage an führte sie die Zügel des Haushaltes mit ebensoviel Energie als Gewissenhaftigkeit. Pastor Wieburg hätte keine bessere Haushälterin finden können und so überließ er ihr getrost alle Regierungssorgen. Nur ein Departement hatte er sich vorbehalten, und das war die Erziehung seines einzigen Kindes, eines kleinen, dunkeläugigen Mädchens. So großen Respect Frau Booland nun auch vor allen Meinungen und Ansichten ihres Brodherrn hatte, in diesem Punkte war sie seine stete Gegnerin, und sie scheute sich nicht, dies immer wieder gegen ihn auszusprechen, so wenig Erfolg ihre Worte auch haben mochten.

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