Chapter

Portier Breise

»Üb' immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab – Und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab!« Das ist ein schönes Lied. Sein Dichter ist Ludwig Hölty, geboren 1748, gestorben 1776. In jener Zeit wurden so schöne, zu edler Moral anfeuernde Gedichte verfaßt. Es ist zu beklagen, daß die Leute von heutzutage sich wenig um die alten Ermahnungen kümmern. Ein landläufiger Scherz erzählt, daß ein munterer Junge fragte: »Vater, wie wird man am schnellsten reich?« und daß der Vater antwortete: »Schnell reich? Na, ehrlich währt am längsten!« Das klingt auf den ersten Blick auch moralisch, wer aber genauer hinschaut, erkennt, daß es sich bei der Beantwortung der Frage um eine Doppelzüngigkeit, ja, um eine Frivolität handelt. Was nun den August Breise anlangt, so mußte er sich wohl an die altväterische Ehrlichkeitsmoral gehalten haben, denn obgleich er dreißig Jahre lang Portier im Hotel »Continental« war, hatte er sich doch nur ein Vermögen von knapp 20 000 Goldmark erübrigt. Das war wenig genug, da er ja immer die Kost frei hatte und seine Frau Julia Köchin bei Geheimrat Bruckner war, wo sie auch kein Geld verbrauchte, zumal aus ihrer Ehe keine Kinder waren. Hotel »Continental« war ein wenig großspurig gesagt für das Haus, das nur dreißig Fremdenzimmer hatte. Aber an der Haustür waren Schilder angebracht: »English spoken!« – »On parle français« – »Si parla Italiano« –

Connection lost

Reconnecting to the server…

Reconnect failed. Trying again in seconds.

We couldn't reconnect to the server. Retry, or reload the page.

The session was paused by the server.

The session couldn't be resumed. Please reload the page.