Chapter

China

Die Häuser drückten sich gegeneinander wie lumpige, hohläugige Kinder mit vorspringender Stirne. Die Tropennacht leckte sie wie ein Tier seine Jungen mit ihrer schwarzen, feuchtheißen, giftträchtigen Zunge. Das gestaute Wasser im engen Kanalarm vermischte seinen Pestodem mit dem Fäulnisgeruch ringsumher. Ein morscher Kahn riß manchmal, von der Strömung erfaßt, am durchfaulten Tau und verursachte ein leichtes Gluckern wie das verständnislose Kichern eines Schwachsinnigen. Eine grüne Tür knarrte ... Das matte Licht, das trüb und abstoßend wie ein eiterndes Auge von der nächsten Mauer blinzelte, deutete zwei Gestalten an, die sich unbekümmert um die Mitternachtsstunde herausgewagt hatten – eine verschrumpfte Alte, deren spärlicher, grauer Haarknoten wie ein Webervogelnest im gebückten Nacken hing und deren Jacke und Hose von so unbestimmter Farbe wie die schuppige Mauer waren und ein junges Mädchen mit sorgsam geöltem Haar, das in langer, dichter Franse in die Stirne fiel, mit rotgoldigem Ohrenschmuck, weißer, ausschweifender Seidenjacke, weiten, schwarzseidenen Hosen, zartrosa Strümpfen und Pantöffelchen aus Goldbrokat. Von den gepflegten Fingern der Rechten fiel, fahnenartig, ein weißes Taschentuch. Es war ihr Berufszeichen; es trennte sie von jenen anderen, die Söhne großgezogen. Der kleine Platz verengte sich zum Durchgang mit Mauern, die sich wie Aussätzige schuppten. Um

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