Chapter

Erstes Kapitel

Der morgendliche Tag schimmerte blau wie eine Schwertlilie über den Italien zugekehrten Landzungen. Der Asphalt auf der Promenade du Midi war noch blank-schwarz von Tau, die ersten Rauchsäulen stiegen über den flachen Dächern der Villen auf, und das Brausen des erwachenden Mentone konnte noch nicht das rasselnde Anschlagen des Mittelmeers an den Strand übertönen. Auf dem einen oder andern Balkon sah man morgenfrische Menschen Tee trinken, aber die meisten Fensterläden waren geschlossen wie schlummerschwere Augenlider, und hinter ihnen schliefen die Glücklichen, denen es beschieden war, die angenehmen Orte dieser Erde zu bewohnen. Hie und da glitt ein Auto, nichts von dem Verbot ahnend, das Autos untersagt, die Strandpromenade zu befahren, dem Herzen der Stadt zu. Vor dem Musikpavillon der Esplanade starrte ein französischer Polizist mit Kapuze und flacher Uniformmütze, die Hände auf dem Rücken, über das Meer nach Ventimiglia hinüber. Befürchtete er einen faschistischen Angriff auf dem Seeweg, und erwog er die Möglichkeit, die eindringenden Schwarzhemden zu arretieren, so wie Bismarck die englische Armee zu arretieren gedachte, wenn sie in Holstein landete? Das Geräusch von Autoreifen ließ ihn jedenfalls seine strategischen Betrachtungen vergessen. Er wandte sich langsam um und sah nicht weniger als drei Autos die Promenade du Midi entlang rasen. Er runzelte die Brauen. Das

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