Erstes Kapitel. Zwanzig Jahre verheiratet
»Dies Glas unsern Freunden! Und möge ihnen dieser Tag noch oft so glücklich und sonnig wiederkehren!« sprach Peter Murief, den bis zum Rand mit perlendem Sekt gefüllten Krystallkelch erhebend. Mit gewohnter Liebenswürdigkeit und Anmut dankten die Gefeierten für den kleinen Toast; die Kinder kamen herbei und küßten die Eltern, allgemeine Bewegung entstand, Küsse und Händedrücke wurden freigebig ausgetauscht, und es dauerte eine Weile, bis jeder wieder an seinem Platz saß. Eine kleine Pause trat ein, man nickte sich fröhlich und befriedigt gegenseitig zu, und die Diener thaten ihr Möglichstes, um Gabeln und Messer rasch und lautlos verschwinden zu lassen, und an Stelle der massiven Réchauds erschien ein künstlerisch aufgebautes Dessert. Der Tisch war entzückend anzusehen: alles zeigte vornehmen Geschmack und festgegründeten Besitz. Da waren keine zerbrechlichen Modespielereien, sondern altes Silberzeug von herrlicher getriebener Arbeit und wundervoll geschliffener Krystall, und doch sah das Ganze wieder phantastisch und märchenhaft aus, denn von der Decke herab hingen aus einer Menge graziöser Blumenampeln hervorquellend üppig blühende und grünende Schlingpflanzen, an Stelle von Lampen erleuchteten Wachskerzen den Raum und über dem Ganzen lag ein poetischer Hauch, der einen eigenartigen Sinn der Besitzer verriet. »Du siehst dir unsre Zimmerdecke an,« sagte der Hausherr, Plato