Erstes Kapitel
Damals, als sich Rolf Steegen von Dorette trennen mußte – nach jenen bekanntgewordenen Vorgängen auf Schloß Swantemühl in der Mark, – hatte er das deutliche Gefühl, daß er sie wiedersehen würde. Dorettes Nähe bedeutete selige und peinigende Beklemmung, nervöse Schmerzen in den Augen, Schlaflosigkeit. Dorettes Nähe bedeutete kommende Katastrophen. Aber es war nicht abzusehen, wie man ohne Dorette leben konnte. Zum mindesten mußte man das Gefühl haben, daß sie da war. Von Zeit zu Zeit mußte man sich vorstellen können, daß sie vor einem Toilettenspiegel saß und die Augenbrauen nachzog, oder daß sie in einen Wagen stieg und auf dem Trittbrett ein wenig wippte. Man wäre wahnsinnig geworden ohne das Gefühl, daß Dorette irgendwo existierte. Rolf Steegen war als letzter auf dem Gut zurückgeblieben. Er stand auf dem Hof, als der Wagen mit den vier Damen davonfuhr. Nie im Leben würde er den Augenblick vergessen, als die Pferde sich in Bewegung setzten. Die alte Frau Blankenhorn und Dorette auf dem Polstersitz, die Töchter Karla und Sabine auf dem Rücksitz. Das Gepäck war bereits mit dem Jagdwagen vorausgeschickt. Seit der Nacht, in der Herr Blankenhorn erschossen aufgefunden war, hatte Rolf Steegen kein Wort mehr mit Dorette gewechselt. Sie war die Herrin, er der Inspektor. Nicht einmal, daß sie die Augen von ihm fortwendete, sondern sie sah über ihn hinweg wie über einen Reitknecht oder