Don Juans Töchter
Als ich mit Hilaria aus der Vorstellung zurückkam – es war noch hell und die Amseln flöteten in den Gärten, an deren Mauern wir vorübergingen –, bat sie, ich möge noch ein bissel hinaufkommen, denn heute abend könnte sie durchaus nicht allein sein. Dabei lächelte sie, ihr eigenes, ein bißchen schiefes Lächeln – Pierrot triste – dem nicht zu widerstehen ist und das sie eigentlich für schwerer erfüllbare Anliegen aufsparen sollte – Begnadigung eines Raubmörders zum Beispiel. Bald darauf saßen wir bei Tee und Zigaretten in ihrem Zimmer, Hilaria etwas verkrümmt à la turque auf dem grünen Ripssofa mit geschweifter Lehne, ich daneben auf entsprechendem Sessel den überdies eine gehäkelte Schlummerrolle schmückte, vor uns der ovale Tisch mit rosengemusterter Decke. Denn Hilaria geht immer in das altmodische Haus am Markte, ob es gleich längst von neueren Gaststätten beim Bahnhof überflügelt ist, die sich rühmen »fließendes Wasser in allen Zimmern« zu haben, was im ersten Moment aquariumartige Vorstellungen erweckt. Über dem Sofa an der Wand blickten die Bilder der »hochseligen Herrschaften« auf uns nieder, im Hochzeitsstaat, in Stahl gestochen nach Winterhalters Gemälden. »Du weißt es zwar, aber du ahnst es doch nicht, was hier alles in mir aufgerührt wird,« sagte Hilaria. »Dieser Heimweg, diese Frühlingsabendluft mit ihren Geräuschen und Gerüchen . . . ja, und dann das Theater. Dieser