Siebentes Kapitel
»Wie geht es dem Kleinen?« »Ach! Viel, viel besser, liebes Fräulein, und das verdanken wir einzig und allein Ihrem lieben, guten Herrn Papa, den unser Herrgott den armen Leuten zum Heil noch recht lange am Leben erhalten möge! Sehen Sie nur, wie schön die Operation gelungen ist! ...« Die große, blasse, in Schwarz gekleidete, hagere Frau lüftete bei diesen Worten die Binde, welche das Kind auf ihrem Arm um den Kopf trug, und wies dem jungen Mädchen die noch geröteten, aber gesund und hell blickenden blauen Augen desselben. »Wenn ich dran denke, daß er hätte blind werden können! So ein armer Tropf, der so gut wie sein Vater von seiner Hände Arbeit leben muß. ... Was wäre aus ihm geworden, wenn der Herr Doktor ihn uns nicht gerettet hätte? Ach, Fräulein, es vergeht aber auch kein Morgen und kein Abend, ohne daß ich den lieben Gott bitte, daß er Sie recht glücklich werden lasse!« »Bitten Sie Gott nur, daß er meinen Vater gesund erhalte!« Das junge Mädchen strich mit der schlanken, weißen Hand über die Wange des Kindes, zog leicht und geschickt die Binde wieder über die Augen und verabschiedete die Mutter mit freundlichem Ernst. Eine Polsterthür ward aufgestoßen, und ein gekrümmter alter Mann mit unstetem, sorgenvollem Blick trat jetzt aus dem Sprechzimmer, in der Hand hielt er einen Papierstreifen, auf dem mehrere Linien Hieroglyphen hingekritzelt waren. »Ist das Ihr Rezept?«