Chapter

Doktor Haldens Patient

Erzählt von Max Schraut Die Dame, die uns an jenem sonnigen Aprilvormittag besuchte, mit dem diese Geschichte des Grauens und wildester verbrecherischer Phantastik beginnt, war eigentlich keine Dame, sondern ein eben erst richtig flügge gewordener Backfisch – schlank, keck, pikant, aber schwer, sehr schwer niedergedrückt. Das selbstbewußte Auftreten Tussi Beckers wurde in Haralds Arbeitszimmer nur zu schnell durch eine Flut von Tränen hinweggeschwemmt, wenn auch jugendliche Hoffnungsfreudigkeit diese Tränlein immer wieder zum Versiegen brachte. »Bezahlen kann ich Sie nicht, Herr Harst,« begann sie ehrlich, nachdem sie kaum Platz genommen hatte. »Wir sind sehr arm, Mutter und ich. Der Papa ist lange tot, und wenn wir nicht die vier Zimmer vermieten könnten – wir wohnen Joachimstraße, dann ... dann wär's noch schlechter um uns bestellt. Papa war Arzt, aber leider kein Geschäftsmann, und ...« Ich glaube, sie hätte in dieser Art noch eine halbe Stunde wie ein Mühlwerk geplappert, wenn Harst ihr nicht ins Wort gefallen wäre ... »Sie kommen wegen des Chemikers Ernst Mendel zu mir, nicht wahr?« »Mein Gott, woher wissen Sie das?!« »Es stand ja in allen Zeitungen, daß Herr Mendel sich vor acht Tagen eine merkwürdige Vergiftung beim Experimentieren in der Wohnung seiner liebenswürdigen Wirtin, der Frau Sanitätsrat Becker, zugezogen hat und daß bisher kein einziger Arzt ihm hat helfen

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