Der Fall
»Helen, mein Kind, du darfst dich nicht aufregen! Wir sind nun am Ziel; da heißt es, alle seine Selbstbeherrschung zu bewahren.« »Gewiß, Tante,« antwortete das junge Mädchen, »ich will alles tun, was ich kann, um dem Advokaten den Fall ruhig darzustellen. Wer weiß, ob nicht von einem Wort, das ich vergesse, Johns Leben abhängt.« »Aber deswegen bin ich ja mitgekommen, wenn ich auch sonst zu solchen Unternehmungen nicht tauge. Ich weiß überhaupt nicht mehr ein und aus, seit diese furchtbare Sache geschehen ist. Seit Johns Verhaftung habe ich in keiner Nacht mehr richtig ein Auge geschlossen. Und nun muß Doktor Serle erkranken –« »Laß nur, Tante!« unterbrach sie Helen Mowbray. »Wir dürfen jetzt an nichts anderes mehr denken, als Doktor Chancellor für uns zu gewinnen.« Und sie drückte auf den Knopf, der neben der Tür eines im Stil der Königin Anna erbauten Hauses angebracht war. Auf einem Messingschild über der Glocke waren folgende Worte zu lesen: »Dr. Dawson & Dr. Chancellor, Rechtsanwälte.« Das Gespräch fand an einem frostigen, aber klaren Dezembertag um eine späte Vormittagsstunde auf dem Marktplatz von Lancaster, einem kleinen südenglischen Städtchen, statt. Auf den Gesichtern beider Frauen war schwerer Kummer zu lesen, wenn auch die jugendliche Schönheit der jüngeren den tröstenden Gedanken wachrief, daß solch einem Menschen früher oder später jeder Wunsch in Erfüllung gehen