Chapter

Doktor Bernhardus

»S'ist Sommerzeit, und die Heide blüht, Der Waldpfad schimmert im Sonnenschein. O Heimatfriede, o Kiefernduft! Kehr ein, kehr ein!« Ein wonniger Maimorgen war angebrochen und legte seinen duftigen Schimmer über die steinernen Mauern eines alten Mönchsklosters in der Mark Brandenburg. Auf den Obstbäumen lag, wie frisch gefallener Schnee, die junge Blüte, und die weiß und roten Zweiglein blickten neugierig in das weit geöffnete Bogenfenster. Dort saß der Abt am eichenen Schreibtisch, über die kunstvoll geschriebene Chronika des Konvents gebeugt. Die Bienen summten in den Wipfeln der alten Klosterlinde, und unten, dem ehrwürdigen Wächter des Hauses zu Füßen, da schimmerte und duftete es von Veilchen, und die kleinen goldenen Himmelsschlüssel wiegten die Köpfchen im Morgenwind, als wollten sie den Tag des Herrn, den Sonntag Misericordias Domini, einläuten. Bernhardus von Ribbeck blickte hinaus. Einen weiten, lieblichen Ausblick hatte man von dort oben, und oft ließ der Mann in der Kutte die großen, gedankenvollen Augen in die Ferne schweifen, als gedächt er vergangener Zeiten. Dicht an die Klosterwiesen schloß sich die Heide, eine weite, braun schimmernde Fläche, von einzelnen Birkenbäumchen unterbrochen, die wie ein zarter, lichtgrüner Schleier darüber schwebten. Dunkle Kiefernwälder, die ihren würzigen Duft in die Ebene sandten, streckten sich meilenweit durch die einsamen

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